Offenbach bereitet mögliche Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen vor

Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine bereitet sich die Bundesrepublik Deutschland auf die Aufnahme von geflüchteten Menschen vor. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR haben bereits mehr als 500.000 Menschen die Grenzen zu den westlichen Nachbarstaaten überschritten – vor allem nach Polen. Gerechnet wird mit mehreren Millionen Menschen, die in den europäischen Nachbarstaaten Zuflucht vor dem Krieg suchen könnten. „Angesichts der zu erwartenden großen Fluchtbewegungen nach Europa und auch nach Deutschland, wird selbstverständlich auch die Stadt Offenbach ihren Beitrag leisten, um Menschen unterzubringen, die aus Angst um ihr Leben vor dem Angriffskrieg Putins flüchten mussten“, teilte heute Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke mit. In enger Abstimmung mit seinen hauptamtlichen Kollegen berief er für den Nachmittag den Verwaltungsstab zu einer koordinierenden Sitzung ein. „Wir wollen uns frühzeitig auf eine solche Situation vorbereiten.

Sollte das Land Hessen Notunterkünfte in den Kommunen außerhalb der bereits existierenden Erstaufnahmeeinrichtungen beauftragen, könne Offenbach auf die umfangreichen Erfahrungen von 2015 und 2016 zurückgreifen, sagte Sozialdezernent Martin Wilhelm: „Seinerzeit hat die Stadt Offenbach sehr kurzfristig Notunterkünfte und anschließend eine Aufnahmeeinrichtung am Kaiserlei eingerichtet und betrieben. Alle beteiligten haupt- und ehrenamtlichen Akteure haben damals Großartiges geleistet und unter Beweis gestellt, dass sie auch kurzfristig in der Lage sind, die notwendige Infrastruktur auf die Beine zu stellen, um hilfebedürftigen Menschen zur Seite zu stehen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg verlassen mussten.

Solange der Krieg andauere, sei im Gegensatz zu 2015 und 2016 damit zu rechnen, dass weniger alleinstehende Männer oder ganze Familien nach Deutschland kommen, sondern vor allem Frauen mit ihren Kindern oder ältere Menschen: „Es gibt viele Ukrainer, die Freunde oder Verwandte in Deutschland oder in den osteuropäischen EU-Staaten haben. Aber es gibt noch mehr Ukrainer, die keine Anlaufstelle in Deutschland haben. Vor allem diese Frauen und Kinder sind dann, wenn sie hierherkommen, auf unsere Hilfe angewiesen“, erläutert Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Sabine Groß. „Besonders wichtig wird dann auch die Betreuung von allein geflüchteten Minderjährigen werden.

Schon jetzt zeichnet sich in Offenbach wie vor sieben Jahren eine große Hilfsbereitschaft ab. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß verwies etwa auf die Reaktivierung der ehrenamtlichen Offenbacher Flüchtlingshilfe: „Es gibt viele Offenbacherinnen und Offenbacher, die angesichts der großen Not und Verzweiflung den Menschen aus der Ukraine helfen wollen. Die Spendenbereitschaft ist schon jetzt sehr groß. Wenn Menschen, die in Frieden leben und denen es vergleichsweise gut geht, anderen Menschen helfen, die alles verloren haben, dann zeigt sich ganz konkret, was Solidarität und Menschlichkeit bedeuten“, so Weiß.

Oberbürgermeister Schwenke hat sich deshalb schon mit der Leiterin des Freiwilligenzentrums Offenbach (FzOF), Sigrid Jacob, beraten und die Koordination der ehrenamtlichen Hilfe wieder an das Freiwilligenzentrum in Zusammenarbeit mit dem Referat Ehrenamt der Stadt Offenbach übertragen. Er bittet alle Offenbacherinnen und Offenbacher, die sich einbringen wollen, sich beim Freiwilligenzentrum zu melden, sobald ein entsprechender Aufruf dazu gestartet wird. „Es gibt bereits Anfragen beim Freiwilligenzentrum, wofür ich sehr dankbar bin. Über den Verwaltungsstab werden wir dafür Sorge tragen, dass die ehrenamtlichen Offenbacherinnen und Offenbacher von Kräften des Katastrophenschutzes und der Stadtverwaltung unterstützt werden. Sehr wichtig ist hierbei eine gute Koordination der Hilfsangebote – orientiert an dem, was konkret in welcher Lage benötigt wird. Sobald klar wird, welche Bedarfe es ganz konkret gibt, wird die Stadt diese Informationen und Aufrufe über die Tagespresse und online veröffentlichen.“ Informationen stellt die Stadt unter www.offenbach.de/offenbach-hilft bereit. Zusätzlich richtet die Stadt die Domain www.offenbach-hilft.de wieder ein, die in Kürze erreichbar sein wird.

Sigrid Jacob vom Freiwilligenzentrum führt aus: „Unsere Erfahrungen zu Ausnahmesituationen wie 2015 oder auch 2020 zu Corona haben gezeigt, dass die Hilfsbereitschaft nach Aufrufen in Offenbach immer sehr groß ist. Sobald wir wissen, an welchen Stellen Hilfe benötigt wird, wenden wir uns gezielt an die Bevölkerung.

Das Freiwilligenzentrum wird seit vielen Jahren von der Stadt Offenbach finanziell unterstützt, um das ehrenamtliche Engagement von Offenbacherinnen und Offenbachern zu koordinieren. Seit der Flüchtlingshilfe 2015 und 2016 wurde der städtische Zuschuss für das Freiwilligenzentrum auf jährlich 100.000 Euro nahezu verdoppelt.

Quelle: Stadt Offenbach