Für 19 Mio Euro: Ab Sommer 2022 wird der Offenbacher Maindamm saniert

Für einen besseren Schutz vor Überschwemmungen beginnt die Stadt Offenbach im kommenden Jahr mit der Sanierung des Maindeichs. Damit der Deich auch außergewöhnlich starken Hochwasserereignissen standhält, wie sie statistisch nur alle 200 Jahre auftreten, muss das Bauwerk um bis zu 50 Zentimeter erhöht werden. Auch die Standfestigkeit wird verbessert. Das Projekt ist in mehrere Bauabschnitte aufgeteilt. Die Arbeiten beginnen im Sommer 2022 im Ortsbereich von Rumpenheim, anschließend wird in Richtung Mühlheim ein kleinerer Abschnitt in Feldlage saniert. Die aufwändigsten Arbeiten betreffen den längsten Teil des Deichbauwerks entlang der Innenstadt: Zwischen Carl-Ulrich-Brücke und dem Innovationscampus folgen die Maßnahmen in den Jahren 2023 und 2024.

Die Aufteilung in mehrere Bauabschnitte ist eine Vorgabe aus dem Planfeststellungsbescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt: Aufgrund der beständigen Gefahr eines Main-Hochwassers sind Arbeiten am Deich zeitgleich nur auf einer Länge von höchstens 300 Metern erlaubt. Die insgesamt etwa 550 Meter lange Deichertüchtigung in der Ortslage von Rumpenheim erfolgt in voraussichtlich fünf einzelnen Abschnitten in Abstimmung mit den bis dahin beauftragten Baufirmen. Für Rumpenheim laufen bereits die detaillierten Ausführungsplanungen.

Mit Sandstein verkleidete Stahlspundwand übernimmt Hochwasserschutz an Offenbacher Maindamm

Den eigentlichen Hochwasserschutz übernimmt in Zukunft eine Stahlspundwand, die vor die vorhandene historische Hochwasserschutzmauer bis in etwa acht Metern Tiefe hydraulisch eingedrückt wird. Der Hohlraum zwischen der bestehenden Mauer und der neuen Spundwand wird verfüllt. Die Stahlspundwand wird, ähnlich wie in dem bereits vom Land Hessen ertüchtigten Deichbereich in Bürgel, mit Sandstein verkleidet, sodass es weiterhin bei einem nicht nur funktionalen, sondern auch optisch ansprechenden Deichschutz bleibt. Anschließend werden die Stahlspundwand und die bestehende Hochwassermauer mit einer gemeinsamen Abdeckung versehen und zu einem Bauwerk vereint. Im Hochwasserfall kann durch die Wasserwehr bei Bedarf zusätzlich eine mobile Hochwasserschutzwand auf das Bauwerk aufgesetzt werden.

Zwei Durchgänge zum Main im Offenbacher Innenstadtbereich

Die Planungen sehen vor, dass es im Innenstadtbereich wie bisher zwei Zugänge zum Main geben wird. Das Deichtor an der Schloßstraße wird neu gebaut und der Durchgang von derzeit 5,50 auf 15 Meter verbreitert und von aktuell 2,20 auf 2,50 Meter erhöht. Zudem wird der Zugang zur oben gelegenen Deichpromenade, der derzeit nur über zwei Treppen möglich ist, künftig auf einer Seite auch über eine barrierefreie Rampe möglich. Unter dem Treppenaufgang entsteht eine öffentliche Toilettenanlage. Bei Hochwasser wird kurzfristig eine mobile Staumauer vor dem Deichtoreingang auf Seite der Mainstraße errichtet. Für den Mainzugang auf Höhe der Herrnstraße weicht die bisherige steile Treppe einer barrierefreien Kombinations-Lösung aus Treppe und Rampe.

Neue Deichtore und mobile Schutzwände in Rumpenheim

Auch in Rumpenheim können unter Einhaltung aller funktionalen Anforderungen optische Aspekte berücksichtigt werden. So soll das historische Mauerwerk aus Bruchsteinen im Bereich der Gaststätte „Zum Schiffchen“ weiterhin sichtbar bleiben – es wird durch Ankerstäbe verstärkt und stabilisiert.

Die vorhandenen Deichtore sind nach den heutigen Standards nicht mehr ausreichend standsicher. Sie werden abgetragen und anschließend nach den statischen Erfordernissen wieder neu hergestellt. Die Tore erhalten einen Kern aus Stahlbeton und werden mit Sandstein verkleidet. Lediglich das Deichtor an der Gaststätte „Schiffchen“ muss aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben. Es kann jedoch ertüchtigt und erhöht werden. Die mobilen Schutzsysteme, die im Bedarfsfall durch die Wasserwehr montiert werden müssen, werden neu angeschafft und alle Bauwerke darauf abgestimmt.

Im Bereich des Pumpwerkes und der Tiefgarage am Rumpenheimer Schloss ist der Hochwasserschutz für ein 200-jähriges Hochwasser nur durch ein mobiles System aus Stützen und Dammbalken zu erreichen. Das mobile Schutzsystem muss im Bedarfsfall durch die Wasserwehr auf die vorhandenen Bauwerke des Pumpwerkes und der Tiefgarage aufgesetzt werden. Um bei der Ausführungsplanung spezielle fachliche Aspekte zu berücksichtigen, arbeiten im Hintergrund auch Tragwerksplaner, Statiker und Geologen. Es gilt, sich immer wieder mit diesen abzustimmen und die sich weiter konkretisierenden Planungen auf alle Anforderungen anzupassen.

Umfangreiche Abstimmungen mit Behörden und Anliegern

Im Rahmen der Ausführungsplanung sind weiterhin umfangreiche Abstimmungen mit den Denkmalschutzbehörden erforderlich. Insbesondere die Sandsteinverkleidung der Spundwände, die Gestaltung der neuen Deichtore und die Gesamtgestaltung im Schlosspark erfordern viel Fingerspitzengefühl. Da die Hochwassermauer in Teilbereichen auch als Grundstückseinfassung der anliegenden Gebäude dient, sind hier die Anlieger besonders betroffen. Das macht es notwendig, ihnen die Maßnahme genauer zu erläutern und den Bauablauf auf die örtlichen Gegebenheiten abzustimmen. Bevor im Sommer 2022 die Bauarbeiten in Rumpenheim beginnen können, stehen noch die Untersuchungen auf Kampfmittelfreiheit und eine Beweissicherung an den umliegenden Gebäuden an.

Insgesamt rechnet die Stadt mit Kosten von knapp 19 Millionen Euro. Das Land Hessen fördert die Maßnahme mit rund 12 Millionen Euro. Einen ersten Zuwendungsbescheid über sechs Millionen Euro überreichte Umweltministerin Priska Hinz am 16. Dezember 2021 persönlich der Stadt Offenbach.

Quelle: Stadt Offenbach
Foto: Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach